Profil


Kurze Geschichte des Christophorus-Gymnasiums Altensteig


Das Christophorus-Gymnasium Altensteig (CGA) ist aus der ehemals privaten CJD Jugenddorf-Christophorusschule Altensteig entstanden, die 1956 vom damaligen Präsidenten und Gründer des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands (CJD), Pastor Arnold Dannenmann, gegründet wurde. In Altensteig gab es zu diesem Zeitpunkt nur ein städtisches Progymnasium. Dieses wurde dann in das neugegründete private Gymnasium eingegliedert. Dadurch ergab sich für die Altensteiger Stadtschüler die Möglichkeit, bis zum Abitur in Altensteig zu bleiben, und für die Internatsschüler war von vorneherein die „Integration in eine ländlich-sittliche Umgebung“ gewährleistet. 

In den Anfangsjahren war die Zahl der Internatsschüler weitaus höher als die Zahl der Schüler aus Altensteig und Umgebung. Das Internat wurde zunächst auch nur von Jungen besucht. Dies änderte sich aber rasch; im Laufe der Jahre veränderten sich die Anteile von internen und ex-ternen Schülern gewaltig. Immer weniger Schülerinnen und Schüler wohnten im Internat. Durch diese Entwicklung musste 1991 die Oberstufe verstaatlicht werden. Ab 1991 wurden also zwei Schulen mit zwei verschiedenen Trägern geführt, aber einem Leiter unter einem Dach. Dies war eine wirklich komplizierte Konstruktion, wie sie in Baden-Württemberg sonst nur noch in Wilhelmsdorf für einige Jahre vorkommen sollte. 
Als es 1997 etwa 650 Schüler aus Altensteig und den umliegenden Orten, aber nur noch etwa 100 Internatsschüler gab, war die Finanzierung als Privatschule nicht mehr möglich. Das Land Baden-Württemberg sah sich wegen einer gerade verfügten allgemeinen Stellensperre aber nicht in der Lage, die Schule sofort zu verstaatlichen. Daher wurde 1998 ein Übergangsprozess beschlossen, der 2003 mit der Gesamtverstaatlichung der Schule beendet wurde. Seit August 2003 ist die Stadt Altensteig Schulträger.

Auf Grund der sich verändernden Trägerschaft wurde 1999 mit der baulichen Sanierung der Schule begonnen: Umbau- und Anbaumaßnahmen wurden zu einer Herausforderung für die Improvisationskunst von Stadtbauamt, Schulleitung, Kollegium und Schülerschaft. Wir können heute rückblickend dank der großen Bereitschaft des Stadtbauamtes sagen, dass die Schulgemeinde des ab 2003 so genannten Christophorus-Gymnasiums im Rahmen des Möglichen ihre Vorstellungen der „neuen“ Schule verwirklichen konnte: Es ist unser CGA geworden!
Die Verstaatlichung im Jahre 2003 brachte auch organisatorische Veränderungen mit sich: Die Schule wurde zu einem dreizügigen Gymnasium erklärt.

Das CGA besuchen im Schuljahr 2013/14 im achtjährigen Bildungsgang 661 Schülerinnen und Schüler (351 Mädchen, 310 Jungen), die von 59 Lehrkräften unterrichtet werden.

1962 wurde die Christophorus-Kantorei Altensteig von Dr. Jürg Wieber gegründet. Dieser her-ausragende Chor konnte dank der Unterstützung durch das CJD und die Stadt Altensteig, die die Trägerschaft übernahmen, sowie den neu geschaffenen „CJD Christophorus-Chorverein Altensteig“ und verschiedene Förderer 1998 vor der Auflösung gerettet werden. In der Zwischenzeit hat sich der Chor unter der Leitung von Michael Nonnenmann zu einem der besten deutschen gemischten Jugendchöre (Erster Preisträger beim Deutschen Chorwettbewerb Dortmund 2010) entwickelt. Damit dieses hohe Niveau erhalten bleiben kann, wurde 1999 die so genannte „Chorklasse“ eingeführt. Schülerinnen und Schüler bekunden ihr Interesse bei der Anmeldung in die Klasse 5, singen vor und werden in die Chorklasse, in die Klasse 05c aufgenommen. Im Laufe des zweiten Jahres entscheiden sie sich dann für die nächsten Schritte, Einzelstimmbildung und Mitglied im Christophorus-Kinderchor (Leitung Wolfgang



Christophorusschule - Christophorus-Gymnasium: Der Name


Aus: Arnold Dannenmann: Ziel und Aufgabe der Jugenddorf Christophorus-Schulen, S. 3-4.


"Als auf dem Höhepunkt des Hitlerreiches an Silvester 1938 meine Frau in einer Berliner Klinik unseren ersten Jungen als glückstrahlende Mutter in den Armen hielt, gaben wir ihm den Namen Christopher mit der bewußten Absicht, wenigstens in unserer kleinen unbedeutenden Familienwelt damit eine Antithese zu den damaligen Lebensauffassungen zu setzen. Wir waren uns dabei einig, daß, wenn es noch einmal für uns eine Zeit geben sollte, in der wir am Bildungsgang junger Menschen maßgeblich mitwirken können, dieser Name für uns ein Symbol sein sollte. So geschah es dann auch.
Die Jugenddörfer in der Bundesrepublik, die in ihrer Mitte Gymnasien haben - wurden Jugenddorf Christophorusschulen. Die Antithese von damals wurde zum Auftrag in einer neuen Stunde deutscher Geschichte.
Der Mann aber, der die erste Jugenddorf Christophorusschule zu leiten hatte - Dr. Martin Freytag -, mußte nicht lange gesucht werden. Er bekam an der staatlichen Oberschule, an der er wirkte, die telefonische Anfrage, ob er bereit sei, die Leitung zu übernehmen. Wenn ja, sollte die Aufgabe beginnen, wenn nein, wäre wohl noch gewartet worden. Dies zu erwähnen ist deshalb von Bedeutung, weil in unserer Welt alles pädagogische Wirken an den Menschen gebunden ist. In diesem Menschen müssen die Gedanken leben und wirken, die verwirklicht werden sollen. Das scheinen banale Sätze zu sein, aber die Wirklichkeit unseres Bildungslebens zeigt oft erschütternd das Gegenteil.
Es war uns klar, daß in einer höheren Schule, in der das „unfehlbare“ Wissen sich mit der Person des Lehrers verbindet und der Lehrer in der Schule immer „recht“ hat, ein neues Verhältnis von Lehrer und Schüler gesucht werden mußte. Der Stoff durfte nicht im Mittelpunkt stehen. Die Schülerpersönlichkeit - war sie auch noch so schwach zu sehen - und die Lehrerpersönlichkeit sollten sich begegnen. Wenn der Schüler dem Lehrer nur wegen seiner Note entgegenkommt und der Lehrer das Ansehen seiner Person und seiner Schule zuerst sieht, entsteht zwischen den beiden eine Betonwand, an der viel Leben junger Menschen verhärtet oder gar zerbricht. Wir sehen es darum immer wieder neu als Aufgabe, daß das Verständnis für die Lebenswelt jedes einzelnen - ob Schüler oder Lehrer - lebendig wird. Die Offenheit, mit der Lehrer und Schüler sich begegnen, kann in gar keiner Weise - auch nicht durch eine Hintertür - eine Auswirkung auf die Notengebung haben. Junge Menschen haben es rasch erkannt, ob sie, ohne Nachteile oder Vorteile zu bekommen, sich offenbaren können. Nur so kann Konformismus und Heuchelei vermieden werden. Es gibt Dinge, die kann man im Leben verpönen, dann reduzieren sie sich auf ein Minimum. In einer Jugenddorf Christophorusschule geht es darum, solche Verpönung für ein Lehrer-Schüler-Verhältnis durchzuführen, das nicht ein Offenlegen der Persönlichkeit zuläßt."



Christophorus: Die Legende


Aus: Aus Achtnich, Martin: Christophorus. Auf der Suche nach dem Großen: Gedanken zur Christophorus-Legende.

Freiburg im Breisgau, Christophorus-Verlag, 1980, S. 4-7.

Christophorus hieß vor seiner Taufe Reprobus, danach aber wurde er Christophorus genannt, das heißt: der Christus trägt.
Christophorus war von gewaltiger Größe und bärenstark. Ihm kam einst in den Sinn, den mächtigsten König zu suchen, der in der Welt wäre, und bei ihm zu bleiben.
Also kam er zu einem großen König, von dem ging die Rede, dass es keinen größeren Fürsten in der Welt gebe. Der König nahm ihn mit Freuden auf und hieß ihn bleiben an seinem Hof. Christophorus diente ihm mit ganzer Kraft.
Eines Tages aber sang vor dem König ein Spielmann sein Lied, darin des Teufels Name gar oft genannt war. Der König zeichnete seine Stirn mit dem Zeichen des Kreuzes, so oft des Teufels Name genannt wurde. Als Christophorus das sah, verwunderte er sich über die Maßen, warum der König das täte und was er mit dem Zeichen meinte. Er fragte den König, der aber wollte es ihm nicht sagen. Da sprach Christophorus: „Sagst du es mir nicht, so bleibe ich nicht länger bei dir.“ Also zwang er den König, dass er sprach: „Wann ich den Teufel höre nennen, so segne ich mich mit diesem Zeichen. Denn ich fürchte, dass er sonst Gewalt gewinne über mich und mir schade.“ Sprach Christophorus: „Fürchtest du den Teufel, dass er dir schade, so ist offenbar, dass er größer und mächtiger ist als du, da du solche Angst vor ihm hast. So bin ich denn in meiner Hoffnung betrogen, weil ich glaubte, dass ich den mächtigsten Herrn der Welt hätte gefunden. Aber nun leb wohl, denn ich will den Teufel selbst suchen, dass er mein Herr sei und ich sein Knecht.“ Also ging er von dem König und machte sich auf, den Teufel zu suchen.
Auf seinem Weg kam er in eine Einöde, da sah er eine große Schar Ritter. Einer von ihnen war wild und schrecklich anzusehen. Der kam zu Christophorus und fragte ihn, wohin er fahre. Er antwortete: „Ich suche den Herrn, den Teufel, denn ich wäre gern sein Knecht.“ Sprach der Ritter: „Ich bin der, den du suchst.“ Da war Christophorus froh und gelobte ihm seinen Dienst für ewige Zeiten.
Als sie nun miteinander dahinzogen, kamen sie einst auf eine Straße, da war ein Kreuz am Wege. Sobald der Teufel das Kreuz sah, floh er voll Furcht und ließ die Straße und führte Christophorus einen rauen und wüsten Weg und danach wieder zu der Straße. Christophorus wunderte sich darüber und fragte ihn, warum er den geraden Weg gelassen habe und auf solchen Umwegen durch die Wüste gefahren sei. Der Teufel wollte es ihm in keiner Weise sagen, aber Christophorus sprach: „Sagst du es mir nicht, so gehe ich alsbald von dir.“ Also zwang er den Teufel, dass er sprach: „Es ist ein Mensch gewesen, Christus mit Namen, den hat man ans Kreuz geschlagen. Und wenn ich dieses Kreuzes Zeichen sehe, so fürchte ich mich sehr und muss es fliehen.“ Sprach Christophorus: „So ist dann dieser Christus größer und mächtiger als du! Also war meine Mühe umsonst, und ich habe den größten Herrn der Welt noch nicht gefunden. Lebe nun wohl, denn ich will von dir scheiden und Christus suchen.“
Er suchte lange Zeit, da und dort, doch er fand ihn nicht. Er solle beten und fasten, riet man ihm. Aber das vermochte er nicht. So suchte er lange, bis er zuletzt einen alten Einsiedler traf und ihn um Rat fragte, wie er Christus finden könne.
Da sprach der Einsiedler: „Weißt du den Fluss, darin viele Menschen umkommen, wenn sie hinüber wollen?“ Christophorus antwortete: „Ja, ich weiß ihn.“ Der Einsiedler sprach: „Du bist groß und stark. Setze dich an den Fluss, und trage Menschen hinüber, und warte. Und ich hoffe, dass Christus sich dir dort wird offenbaren.“ Sprach Christophorus: „Das vermag ich wohl und will ihm hierin dienen.“
Also ging er an den Fluss und baute sich an dem Ufer eine Hütte. Er nahm einen Stab in seine Hand, darauf stützte er sich im Wasser und trug die Menschen hinüber. Er wartete an der Furt viele Jahre.
Nach langer Zeit, als er einst in seiner Hütte ruhte, hörte er, wie eine Stimme rief: ,,Christophorus, komm heraus und setz mich über.“ Er stand auf und lief hinaus, konnte aber niemanden finden. Also ging er wieder in seine Hütte. Da hörte er die Stimme abermals. Er ging wieder hinaus und fand niemanden. Danach hörte er die Stimme zum dritten Male wie zuvor. Und da er hinausging, fand er ein Kind am Ufer, das bat ihn gar sehr, dass er es hinübertrage. Christophorus nahm das Kind auf seine Schultern, ergriff seinen Stab und ging in das Wasser. Aber siehe, das Wasser wuchs höher und höher, und das Kind ward so schwer wie Blei. Je weiter er schritt, je höher stieg das Wasser, je schwerer wurde ihm das Kind auf seinen Schultern, so dass er in große Angst kam und fürchtete, er müsste ertrinken. Und da er mit großer Mühe durch den Fluss geschritten war, setzte er das Kind nieder und sprach: „Du hast mich in große Gefahr gebracht und bist meinen Schultern so schwer gewesen: hätte ich alle Welt auf mir gehabt, es wäre nicht schwerer gewesen.“ Das Kind antwortete: „Das soll dich nicht wundern, Christophorus. Du hast mehr als alle Welt auf deinen Schultern getragen: den, der Himmel und Erde erschaffen hat und der die Sünde der Welt trägt. Denn wisse, ich bin Christus, dem du in dieser Arbeit dienst. Und damit du siehst, dass ich die Wahrheit rede, so nimm deinen Stab, sobald du wieder hinübergegangen bist, und stecke ihn neben deiner Hütte in die Erde; so wird er des Morgens blühen und Frucht tragen.“
Damit verschwand er vor seinen Augen. Christophorus aber ging hin und pflanzte seinen Stab in die Erde. Und als er des Morgens aufstand, trug der Stab Blätter und Früchte.